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ASP – Schwarzwild unter Beschuss

Tom / 28. Januar 2018

Die aktuelle Situation und der Umgang mit dem Thema Schwarzwild ist äußerst prekär. Zum Teil gehen die Bestände explosionsartig in die Höhe. Eine starke Buchenmast 2017 hat den Abschuss massiv erschwert und die Anzahl an Frischlingen deutlich erhöht. Aus Angst vor der ASP (afrikanische Schweinepest) ist von einem 70%igem Abschuss der Schwarzwildpopulation (ausgehend von welchen Zahlen auch immer?) die Rede. Aufhebung von Schonzeiten und Förderungen durch Abschussprämien stehen im Raum, ganz zu schweigen vom Einsatz der Nachtsichttechnik zur Bejagung der Schwarzkittel…

Hier stellt sich mir zunächst die Frage, wer das alles umsetzen soll. Sollen wir jetzt alles liegen und stehen lassen, unsere Arbeit und Familie vernachlässigen und für ein paar Euro pro Schwein Tag und Nacht auf der Jagd verbringen? Wie groß sind hier die Chancen, dass man nach der 1, 2 vielleicht auch noch 3ten Sau wieder etwas erwischt? Selbst wenn man doch eine größere Glückssträhne hat und vielleicht 10 Sauen innerhalb eines Monats schießt: wo hin mit dem ganzen Wildbret?

Momentan bekommt man eher das Gefühl, dass alles wieder nur blinder Aktionismus ist und jetzt auf Biegen und Brechen irgendein Lösungsvorschlag gesucht werden muss. Ob es weiterhilft oder nicht steht außen vor…

Dazu ein Ereignis der letzten Wochen:

Die Rehe sind nun schon einige Tage zu bei uns in Bayern. Vielerorts kehrt deshalb Jagdruhe ein und viele Wildbrethändler haben den Ankauf von Wild eingestellt. Manch tüchtiger Saujäger hat noch eine Kirrung aktiv und weiß genau, dass er jetzt nicht lange Warten muss, um erfolgreich zu sein.  So kam es auch letzte Woche bei einem guten Freund. In seinem Revierbogen hat er täglich Schwarzwild an der Kirrung und nutzte dank einer guten Schneelage sogleich die Chance auf einen Schwarzkittel. Circa 70kg brachte der Keiler auf die Waage. Nachdem das gute Stück versorgt und der Jagdherr informiert war, war man sich schnell einig, dass das Wildbret verkauft werden sollte. Also wurde Muskelgewebe für die Trichinenprobe entnommen. Kosten je nach Region, zwischen 10 und 20 Euro. Dazu kommen noch 500g Muskelfleisch für die Untersuchung auf Strahlenbelastung. Weitere Kosten können anfallen… Zumindest verliert man schon mal ein halbes Kilo Fleisch!

Wie mit dem Pächter besprochen, verbrachte er das Wildschwein anschließend in die Kühlung. Nach über eine Woche bekam er dann einen Anruf vom Jagdherrn. Er würde ihm das Stück für 65 Euro zum „Vorzugspreis“ geben. Es hat sich sonst kein Abnehmer gefunden. Der regionale Wildhändler nimmt nichts mehr an. Dessen Ankaufspreise für Wildschweinfleisch waren und sind eh eine Unverfrorenheit. Unter 50cent/Kilo bei Schweinen ab 60 Kilo. Bei Geruch nochmals die Hälfte weg. Für alles Kleinere bekommt man etwa um 1 Euro/Kilo…  Metzger in der Region haben jedoch auch keinen Bedarf oder überhaupt Interesse. Viele Menschen sind desweiteren durch die permanente Medienpräsenz um Themas ASP verunsichert.

Nun hängt das gute Stück und wartet darauf seinen letzten Ganz in die Tierverwertung anzutreten. Nach all dem Einsatz, allen Kosten und Schweiß der daran hängt, wird nun also noch für die „Verwertung“ des Wildbrets bezahlt.

Ist das nun unser Ziel? Klar kann es leicht sein, dass einige Bundesländer nun die Trichinenprobe bezahlen und höhere Prämien ausrufen. Aber was hat das mit einer nachhaltigen, vernünftigen und ethischen Jagd noch zu tun? Gäbe es hier nicht erst Möglichkeiten einen besseren Absatzmarkt voranzutreiben? Sicherlich würden ein paar kreative Köpfe, die einiges an Ideenreichtum und Durchblick mitbringen mehr bewirken können. Nur fehlt wahrscheinlich dafür die nötige Zeit und auch der Wille. Einfache und schnelle Lösungen müssen her. Sinnhaftigkeit bleibt außen vor.

So liegt es doch an uns Jägern, ob wir genug Platz in unseren Gefriertruhen haben oder für die Verwertung bezahlen. Oder – wenn es denn sein darf – ein Schwein auch mal lebend davon kommt.

 

1 thought on “ASP – Schwarzwild unter Beschuss

  1. Bei der SAUEN JAGD immer das kleinste erlegen. Nicht mehr strecken wie verwertet werden kann.Durch sinnlosen Abschuss ASP bekämpfen ohne Wildbretverwertung ist keine waidgerechte Lösung.

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