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Die erste Gams – ein tolles Erlebnis hoch droben am Berg

Tom / 25. Januar 2018

– Der Begriff Hochwild bezeichnet Wild, welches bei der Jagd besonders geschätzt wird und vor allem dem hohen Adel und somit der hohen Jagd vorbehalten war –

Doch für manche Wildarten bekommt der Ausdruck Hochwild eine noch andere Bedeutung, da man sich hierzu weit nach oben begeben muss. So auch bei unserem kleinen Jagdausflug ins Ötztal zur Gamsjagd.

Mit deutlicher Verspätung schlängelten wir uns die letzten Meter nach Runhof in der Gemeinde Längenfeld im Ötztal. Der einzige Weg dort hin war durch einen Unfall einige Zeit blockiert. Aber gut Ding will Weile haben und so kamen wir alle, Klaus, meine Frau, meine Tochter und ich wohlbehalten in der kleinen Pension bei unserem Jagdführer Paul Schreiber an.

Nach der netten Begrüßung und dem Einzug in unsere Zimmer verabredeten wir uns für den späten Nachmittag zu einer ersten Rundfahrt durch Pauls Jagd.

Die ersten Meter im Revier begannen gleich vielversprechend. Beim ersten Halt mit dem Jimny am Straßenrand erspähten wir an den Steilen hängen weit über uns schon die ersten Stücke. Eine Geis mit Kitz zog dort umher und äste auf den Freiflächen knapp unterhalb der Baumgrenze.

Sichtlich beeindruckt von der Situation und vor allem vom scharfen Blick unseres rüstigen Jagdherrn setzten wir drei die Fahrt fort. Ein paar hundert Meter weiter auf dem nächsten Parkplatz wanderte das Spektiv wieder über die steilen Hänge.

„Eine 3er Bock hoch droben! Probieren wir den?“ hörte ich Paul noch sagen und schon schlängelte sich der Suzuki eine abschüssige Fahrt den Berg hinauf.

Ein gutes Stück höher ging es nun zu Fuss weiter Richtung Gipfel. Über Stock und über Stein mussten wir zumeist querfeldein den Berg hinauf.

Mit leichtem Schritt flog Paul trotz seines Alters den Berg hinauf und wir hatten alle Hände voll zu tun, um ihm auf den Fersen zu bleiben. Es musste mindestens eine Stunde vergangen sein als Paul sich umdrehte und mir den Hinweis gab mein Gewehr zu laden. Die Anspannung stieg.

Langsam ging es nun noch etwa 300 Meter unterhalb des Gipfels entlang bevor wir die Freifläche betraten, auf der vom Tal aus der junge Gamsbock stand.

Nach einem ersten vorsichtigen Abglasen kam dann die Ernüchterung. Der Gamsbock hatte sich wohl in den angrenzenden Wald verzogen und war für uns nicht mehr auszumachen.

Wir entschlossen uns erst einmal abzuwarten. So saßen wir etwas auseinander und genossen die herrliche Aussicht.


Die Aussicht war traumhaft! Und es ging weit nach unten!

Als mein Blick über das Tal und die Hänge auf der Gegenseite schweifte vernahm ich plötzlich ein zischen von Klaus. Sein Finger deutete den Hang hinauf auf eine kleine Kuppe etwa 80 Meter über uns. Nach kurzem Ansprechen kam gleich die Aufregung hoch! „Eine uralte Geiß!“ flüsterte Paul. „Die kannst du schießen!“

Mit böser Mine stand sie über uns und blickte streng in unsere Richtung. Es war eine gefühlte Ewigkeit bis sich die Dame umdrehte und hinter der Kuppe wieder verschwand.

Schnell packte ich meinen Rucksack und mein Gewehr und machte mich auf zum nächsten Felsvorsprung.

Kaum die Deckung verlassen, stand sie jedoch wieder da und äugte zu mir herab. „Stillhalten, stillhalten!“ durchfuhr es mich. Wie versteinert stand ich einige Minuten regungslos im Gras bis sie ein zweites Mal abdrehte. Dieses mal zog sie nach rechts in eine kleine Senke und stand auf gut 100 Meter in einer Wiese. Das war meine Chance. Rucksack auf den nächsten Vorsprung, Gewehr in den Anschlag und … PENG

„Drüber! Drüber!“ hörte ich Paul schreien. Ich vermochte jedoch ein klares Zeichnen der Gams vernommen zu haben und sah wie sie geradewegs in meine Richtung lief. Schnell repetierte ich die nächste Patrone ins Lager und folgte der Gams die durch die Senke auf die andere Seite wechselte.

Dort blieb sie keine 50 Meter von mir entfernt stehen und beim zweiten Schuss lag das gute Stück im Feuer.

Die Erleichterung war riesengroß! Der erste Schuss ging genau auf die Leber, was von sich aus schon gereicht hätte. Der zweite mitten aufs Blatt.

Nach verrichteter roter Arbeit wurde das gute Stück im Rucksack verstaut und ab ging es nach Hause. 16 Jahresringe zählte der erfahrenen Bergjäger. Die Freude war riesengroß! In der nächsten Pizzeria und mit einigen Bier ließen wir das erlebte zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter Revue passieren. Ein toller Auftakt war gemacht.


Diese ca. 15 Jährige Geis konnte ich strecken! Meine erste Gams!

Um 6 Uhr riss mich das schrille Läuten des Weckers aus meinen Träumen und nachdem wir uns frisch gemacht hatten, trafen wir uns am Frühstückstisch.

„Paul ist zu einer Erkundungsfahrt schon unterwegs!“ erzählte uns seine Frau, die uns mit einem herzhaften Frühstück versorgte.

Ich weiß nicht, ob ich überhaupt schon einen Bissen gemacht hatte als die Tür aufging und Paul uns mit den Worten: „Ich hab ein 3er Bock gesehen. Ganz nah. Geh ma, geh ma. Hol dein Gewehr und dann pack mas. „

Klaus war wohl genauso verdattert wie ich. Aber ruck zuck befanden wir uns auf dem Weg ins Revier. Das Schuhwerk meines Jagdkollegen passte eher zum Einkaufbummel als zur Gamsjagd aber der Aufruf des Jagdherrn war vielversprechend!

Zirka 2 Kilometer weiter befuhren wir das Gelände eines Sägewerks. Zwischen den Holzstapeln schlängelten wir uns direkt bis an den Fuß des Berges. Vom Auto bis zur Gams waren es nun genau 160 Meter bergauf.

Nach dem Ansprechen platzierte Klaus seinem Rucksack auf dem Heck des Jimny und legte an.

Im Knall der 30.06 sackte der Gamsbock zusammen und rutschte in die Stauern unter ihm.

Mit vielen tollen Eindrücken und dem Gamsfleisch ging es wieder nach Hause.

Im November kam es dann zum letzten Aufeinander treffen mit den beiden. Zur Kirchweih machte Tanja, die Frau von Klaus in deren Wirtschaft einen vorzüglichen Braten, der schon früh am Abend vergriffen war!

Die beiden erlegten Stücke. Links der Bock – rechts die Geiß

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